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JANINA FAUTZ IM INTERVIEW

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„Ich bin echt überwältigt ...“
Goldene Palme, Golden Globe, Deutscher Filmpreis

Janina Fautz ist mit 14 Jahren Schauspielerin und UNICEF-Botschafterin. Mit KulturLAND spricht sie über Schule und Schauspielkarriere, schwierige Filmrollen und soziales Engagement.

Janina, herzlichen Glückwunsch, „Das weiße Band“ ist in aller Munde und du bist mittendrin in der Erfolgsgeschichte um den Film von Michael Haneke. Wie war es in L.A.? Mit dem Oscar hat es ja leider nicht geklappt.

Ja, leider, aber ich bin sehr froh, dass ich dabei sein durfte. Cannes fand ich allerdings viel aufregender, da wir dort über den roten Teppich gehen durften. In L.A. haben wir in einem Café in der Nähe des Kodak Theaters gefeiert und alles über Bildschirme verfolgt. Es war unglaublich viel Presse vor Ort und sehr viele Kamerateams.

Und du wurdest interviewt.

Das war spannend. Das Interview mit der ARD fand morgens nach der Oscarverleihung auf einem Hochhaus mitten in Hollywood statt. Es war sehr windig und ich war sehr nervös, weil ich ja wusste, dass es eine Liveübertragung ist.

Was sagst du zum Erfolg von „Das weiße Band“?

Ich wusste, dass der Film etwas Besonderes ist, weil Michael Haneke für gute Filme bekannt ist und mir schon während der Dreharbeiten klar wurde, wie anspruchsvoll die Umsetzung ist. In einem vergleichbaren Film hatte ich vorher noch nicht gespielt – schwarzweiß und ohne Hintergrundmusik. Trotzdem, ich bin echt überwältigt, erst die goldene Palme, dann der Golden Globe, die Oscarnominierung und jetzt die Nominierung für den Deutschen Filmpreis, gleich in dreizehn Kategorien. Das ist unglaublich.


Janina Fautz in Los Angeles
v.l.n.r. Janina Fautz, Christoph Walz, Maria-Victoria Dragus, Leonie Bensch
 

Michael Haneke hat bereits ein halbes Jahr vor den Dreharbeiten mit dem ­Casting von 7.000 Kindern begonnen. Bist du aufgrund deiner schauspielerischen Leistung in „Die Wilden Kerle“ in die engere Auswahl gekommen oder hast du dich um die Rolle beworben?

Ich bin ja schon ein paar Jahre bei einer Agentur unter Vertrag. Kurz vor meinem achten Geburtstag war ich in München in den Bavaria Filmstudios. Dort habe ich eine Werbung für einen Kinderschauspielkurs gesehen und diesen habe ich mir dann zum Geburtstag gewünscht. Der erste Kurs dauerte nur ein Wochenende und der zweite ging dann eine ganze Woche. So bin ich bei meiner ersten Agentur gelandet, die mir Rollen vermittelt hat. Für das Casting zu „Das weiße Band“ wollte mich meine Agentur allerdings nicht anmelden.

Warum?

Sie rieten mir ab, weil ihnen das Filmprojekt zu groß erschien und sie keine Chancen für mich sahen. Die Mutter eines Jungen, mit dem ich in „Die Wilde Kerle“ gespielt habe und mit dem ich heute noch befreundet bin, riet mir jedoch, mich unbedingt zu bewerben, auch wenn ich eine Absage riskiere. Ich habe die Rolle bekommen und die Agentur gewechselt.

Glaubst du, dass deine Rolle in „Die Wilden Kerle“ die Eintrittskarte für „Das weiße Band“ war?

Ich glaub nicht, dass das wichtig gewesen ist. Beim Casting waren auch einige Kinder dabei, die noch gar keine oder nur sehr wenig schauspielerische Erfahrung hatten, die aber trotzdem sehr gut waren. Es wurde vor allem darauf geachtet, wer zu welcher Rolle passt. Man hat uns beim Casting mehrere Rollen vorsprechen lassen und dann entschieden, wer das jeweilige Kind am besten verkörpert und anschließend erst geschaut, ob man die Rolle auch entsprechend umsetzen kann.

„Das weiße Band“ spielt kurz vorm Ersten Weltkrieg, es geht um Angst und Schuld, Hass und Gewalt – ein nicht gerade kindgerechter Stoff. Wie bist du als damals Zwölfjährige mit dem Drehbuch umgegangen?

Ich habe das Drehbuch zuerst mit meiner Mutter gelesen und dann haben wir darüber gesprochen. Später, während der Dreharbeiten, hatten wir einen Kindercoach, der uns in die Zeit, in der dieser Film spielt, eingeführt hat. Erklärungsbedürftig war vor allem das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern und der Umgang der Kinder mit den Erwachsenen, der war ja damals ein ganz anderer als heute. Er hat uns bei jeder Szene erklärt, worauf wir achten müssen. Das hat mir sehr geholfen, meine Rolle besser zu verstehen.

Du spielst in „Das weiße Band“ die Rolle der Erna, eines Mädchen, das unter der wachsenden Gewaltbereitschaft im Dorf leidet und schuldig wird, aber den Mut findet, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen. War das die Rolle, die du dir gewünscht hast?

Also ich habe mich gefreut, dass ich die Rolle der Erna bekommen habe, aber nicht, weil sie die Einzige ist, die das Schweigen bricht. Es hätte mich auch nicht gestört, eines der wirklich bösartigen Kinder zu spielen. Ich fand die Rolle so toll, weil einige Szenen wirklich schwierig und damit für mich eine Herausforderung waren.

Du bist Junior-Botschafterin der UNICEF und unterstützt karitative Projekte wie das Kinderhospiz Sterntaler. Woher kommt dein leidenschaftliches Engagement für Kinder in Not, das in so jungen Jahren eher ungewöhnlich ist?

Ich habe mit acht Jahren in einer Zeitschrift einen Artikel über UNICEF gelesen, in dem über Kinderarmut berichtet wurde. Das fand ich sehr schlimm, ich wollte etwas dagegen tun, Geld sammeln, um zu helfen. Da ich damals noch Stepp-Unterricht hatte, steppte ich in der Fußgängerzone und spendete alles, was ich einnahm. Letztes Jahr habe ich Kinder aus dem Kinderhospiz Sterntaler zur Kinotour von „Die wilden Kerle“ in ein Kino eingeladen. Und als ich gefragt wurde, ob ich Botschafterin des Kinderhospiz werden möchte, da habe ich „Ja“ gesagt. Außerdem möchte ich mich in Ruanda engagieren und fliege im Herbst mit Helmut Schmitt und einer Delegation nach Kigali, um dort vor Ort zu helfen. Helmut Schmitt ist Vorsitzender des Vereins „Krankenhaus für Ruanda“, auf seine Initiative wurden in der Provinz Ruli bereits ein Kinderheim, eine Schule und ein Krankenhaus errichtet.


Links: Janina und Bruder Thanh

Rechts: Kinder in Ruanda

 

Dein Einsatz für Hilfsbedürftige könnte vermuten lassen, dass du dich später einmal beruflich für soziale Projekte engagieren, Medizin studieren oder in ein Entwicklungsland gehen möchtest. Du willst aber als Schauspielerin arbeiten.

Ja, ich möchte keinen Beruf, in dem ich jeden Tag das Gleiche machen muss. Schauspielerin zu sein ist spannend und abwechslungsreich, das habe ich ja jetzt schon erlebt. Man reist sehr viel, wohnt an verschiedenen Orten, kommt mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen und arbeitet in einem großen Team. Außerdem mag ich die Atmosphäre am Set. Ich würde wirklich gerne Schauspielerin werden und davon leben können. So ganz klar habe ich das aber noch nicht vor Augen, zuerst möchte ich mein Abitur machen.

Die Schule, dein soziales Engagement und deine Arbeit als Schauspielerin zu koordinieren und zu bewältigen erfordert viel Disziplin. Bleibt dir dabei noch genügend Zeit für Freizeitaktivitäten, für deine Freunde und für deine Familie?

Ja, das schon, ich bin ja in der Schulzeit meistens zu Hause. Ich tauche gern und habe auch einen Tauchschein, mit Taekwondo habe ich angefangen, weil ich das für einen Film brauchte und ich gehe gerne tanzen. In der Ferienzeit war ich jetzt häufig weg, das ist schade wegen meiner Freunde, aber ich arbeite ja häufig mit jungen Leuten zusammen. Die Dreharbeiten mit schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen finden, wenn möglich, immer in den Ferien statt. Bei großen Filmproduktionen dauern sie allerdings drei bis vier Monate am Stück, da reichen die Ferien nicht. Beim letzten Film bin ich deshalb am Drehort, in Berlin, auf ein Gymnasium gegangen. Bei kürzeren Dreharbeiten während der Schulzeit ist häufig ein Lehrer am Set.

Im Februar warst du in der ersten deutschen Echtzeitserie „Allein gegen die Zeit“ zu sehen, die in dreizehn Folgen im KI.KA ausgestrahlt wurde. In dieser Serie spielst du die vierzehnjährige Leo, die gemeinsam mit ihren Mitschülern gegen Geiselnehmer antritt. Was steht denn als nächstes Projekt an?

Ich hoffe auf eine zweite Staffel von „Allein gegen die Zeit“. Im Moment habe ich noch kein konkretes Projekt, aber die Castings gehen ja im Frühjahr erst los. Theater habe ich bisher auch noch nicht gespielt – das würde ich gerne mal ausprobieren – aber dazu sehe ich hier vor Ort keine Möglichkeit, das wäre in Berlin anders. Trotzdem bin ich gern hier bei meiner Familie und bei meinen Freunden und solange ich in die Schule gehe, bleibt das auch so.